Im 2. Symposium („Auf der Suche nach der neuen Ökonomie“ im Mai 2011) war deutlich geworden, dass die ständig zunehmende Ökonomisierung den Menschen und seine sozialen, nicht monetarisierbaren Bedürfnisse und Aufgaben – die für den Erhalt einer funktionierenden Gesellschaft aber fundamental sind – längst in den Hintergrund geschoben hat. Verschärft wird diese Entwicklung durch den (immer verzweifelteren) Versuch des aktuellen Wirtschaftssystems, sein wegen seiner Nicht-Nachhaltigkeit unvermeidbares Scheitern hinauszuzögern. Was meist auf Kosten des sozialen Zusammenhalts und der sozialen Gerechtigkeit unserer Gesellschaft geschieht. Hinzu kommt aber noch eine zunehmende Technisierung unserer global-gewordenen Welt, die wiederum ökonomischen Interessen unterliegt. Wir leben damit in einer beschleunigten und rationalisierten Welt, in der uns nicht nur die Muße, sondern auch die Poesie zunehmend abhanden kommt.

Im 3. Symposium haben wir daher endlich den Menschen und die aktuellen gesellschaftlichen Fragen in das Zentrum des „Neuen Denkens“ gestellt.

Betrachtet man unsere moderne Gesellschaft, so scheint heute jede „Normalität“ in Frage gestellt zu sein. Eine Vielzahl gleichzeitiger neuer Entwicklungen überfordert uns – nicht nur in der Arbeitswelt oder in der globalisierten und deregulierten Ökonomie, sondern auch in der Kommunikation und Informationsverar- beitung, in der Auflösung von Familien und sozialen Zusammenhalten in Richtung einer „Singularisierung“ und der Auflösung alter Geschlechterrollen. Vertraute Lösungsmodelle und bisherige Erfahrungen helfen uns bei ihrer Bewältigung kaum weiter.
All dies erzeugt nicht etwa eine Aufbruchsstimmung, wie sie früher in Zukunftsszenarien vermittelt wurde,sondern mündet in einer Rat- und Konzeptlosigkeit, wie es sie wohl noch nie gab.

Was automatisch zur Frage führt, ob wir als Menschen noch in die Welt passen, die wir uns selbst geschaffen haben? Wie wollen wir also in der Zukunft leben?

Wie wirken sich die Medien auf uns aus? Welche Arbeitsformen der Zukunft werden schon heute sichtbar? Werden wir von diesen Entwicklungen überfordert? Wie können wir mit ihnen umgehen? Brauchen wir ein neues Bewusstsein für die (selbstgemachten) Veränderungen unserer Welt, brauchen wir wieder mehr Werte? Was sagt die Philosophie dazu, gibt sie uns die Leitlinien? Wie lösen wir den Geschlechterkrieg und die damit zusammenhängende Familienproblematik? Brauchen wir etwa „Profibürger“, die „von unten“ unsere Gesellschaft wieder formen, weil die hohe Politik keine Antworten mehr kennt? Wie ist es, wenn man wieder andere Fragen als den ökonomischen Erfolg in das Zentrum seines Lebens stellt? Ja, wie können wir uns in dieser Gesellschaft als Mensch und Individuum noch behaupten?

Mit diesen und weiteren Fragen haben sich im Waldhof am 6. und 7. Oktober 2012 sieben Referenten unterschiedlichster Disziplinen und Arbeitsgebiete in ihren Vorträgen beschäftigt und der Diskussion gestellt. Mit einem auch für mich als Moderator überraschenden Ergebnis.

Dr. Michael Harder, Oktober / November 2012

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